Erdbeben
In der Region Basel ist die Gefahr für ein Erdbeben schweizweit am zweithöchsten. Eine gezielte Erdbebenprävention und -vorsorge ist deshalb wichtig. Dafür wurde ein kantonales Erdbebenrisikomodell entwickelt. Es zeigt, welche Schäden bei einem starken Erdbeben zu erwarten sind, und hilft, Präventionsmassnahmen gezielt zu planen und zu priorisieren.
Erstes kantonales Erdbebenrisikomodell erstellt
Im Auftrag der Kantonalen Krisenorganisation Basel-Stadt und zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie entstand ein hochaufgelöstes Modell. Damit können wir das Erdbebenrisiko für den Kanton Basel-Stadt berechnen. Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für die kantonale Vorsorgeplanung. Die Ergebnisse zeigen:
- Ein starkes Erdbeben wie im Jahr 1356 mit einer Stärke von 6.6 würde heute Schäden von rund 17 Milliarden Franken verursachen. Im Durchschnitt wäre mit rund 1’750 Todesopfern, 13’500 Verletzten und über 93’000 Schutzsuchenden zu rechnen.
- Auch kleinere Beben mit Stärken von 5.0 - 5.5 könnten Schäden von über 1 Milliarde Franken verursachen.
- Langfristig ist im Kanton mit durchschnittlichen Erdbebenschäden von rund 20 Millionen Franken pro Jahr zu rechnen.
Ausgewählte Resultate wurden am 22. Oktober 2025 auf der kantonalen Themen-Website «Erdbeben» veröffentlicht.
Aktualisierung der kantonalen Erdbebenmikrozonierung
Wissenschaftliche Partner sind der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich (SED) und die Angewandte und Umweltgeologie der Universität Basel. Mit der Aktualisierung der Mikrozonierung von 2009 passen wir die Grundlagen für die Bemessung der Erdbebeneinwirkung bei Bauvorhaben an die neusten Baunormen und das aktuelle nationale Gefährdungsmodell an. Die neuen Unterlagen werden bis Ende 2026 im kantonalen Geoportal veröffentlicht. Bis dahin gilt weiterhin die Mikrozonierung von 2009 als Bemessungsgrundlage für die Erdbebeneinwirkung bei Neu- und Umbauten.
Erstmals umfassender Bericht zum Stand des kantonalen Erdbebenrisikomanagements erstellt
Der Bericht zeigt die Handlungsfelder im Erdbebenrisikomanagement, welche Fortschritte erzielt wurden und wo weiterer Bedarf besteht. Er dient dem Kanton als Grundlage, um die Erdbebenvorsorge zu steuern und weiterzuentwickeln. Mit dem Erdbebenrisikomodell Basel-Stadt und der Aktualisierung der Mikrozonierung wurden wichtige Grundlagen geschaffen oder sind in Arbeit. Der Fokus liegt nun auf der kantonalen Vorsorgeplanung.
«Erdbebensimulator Basel» öffentlich ausgeschrieben
Mit dem Projekt «Erdbebensimulator Basel» soll das Bewusstsein der Bevölkerung für Erdbebenrisiken gestärkt werden. Der Simulator macht ein Erdbeben erlebbar und sensibilisiert so auf anschauliche Weise für das Thema. Ab 2029 soll er Teil der Dauerausstellung im neuen Naturhistorischen Museum Basel sein. Besonders Schulklassen erwerben dort Wissen über Erdbeben und das richtige Verhalten im Ereignisfall. So leistet das Projekt einen Beitrag zur Erdbebenvorsorge.
Mit der Vergabe des Zuschlags an eine Totalunternehmung wurde 2025 ein wichtiger Meilenstein erreicht. Dank der Ausgabebewilligung durch den Grossen Rat kann die Umsetzung im Jahr 2026 beginnen.
Gefahrenprävention bei Projekten mit möglicher Erdbeben-Auslösung
Die Fachstelle Gefahrenprävention sorgt dafür, dass bei Projekten, die Erdbeben auslösen können, der Artikel 10 (Katastrophenschutz) des Umweltschutzgesetzes eingehalten wird. Dazu gehören die Tiefbohrung Basel-1 in Kleinhüningen und die geplante Erweiterung der Geothermieanlage in Riehen. Die Überwachung erfolgt zusammen mit dem Schweizer Erdbebendienst (SED) im Rahmen der Vereinbarung GEOBEST2020+.
Bei der Tiefbohrung Basel-1 begleitet die Fachstelle Gefahrenprävention die Langzeitüberwachung der Bohrung und prüft Konzepte zur Sicherung und zum Rückbau der Bohrung. Im Auftrag des Kantons überwacht der SED die Erdbebenaktivität um das Bohrloch. Im Jahr 2025 wurden keine induzierten Erdbeben festgestellt.
Auch bei der geplanten zweiten Geothermiebohrung in Riehen begleitete die Fachstelle das Projekt und prüfte die Unterlagen der Projektanten im Hinblick auf das seismische Risiko. Dabei stützt sich die Fachstelle ebenfalls auf die Einschätzung und die Leistungen des SED im Rahmen der Vereinbarung GEOBEST2020+.

